Filmgeschichte von ihren Anfängen bis heute
Schon, wenn ein neuer Kinofilm nur angekündigt ist, diskutieren Experten, ob ein Blockbuster entsteht, hier gerade an einem künftigen Klassiker gearbeitet wird, oder ob der Reinfall, ein finanzieller Flop gedreht wird. Manchmal überrascht der Inhalt, das Drehbuch die Zuschauer noch, ein andermal gehen sie enttäuscht nach Hause, was aber natürlich auch vom eigenen Geschmack der Kinogänger abhängt. Manchmal versprechen schon die Besetzungen der Haupt- und Nebenrollen einiges, doch ab und an sind auch völlig unbekannte Schauspieler plötzlich auf roten Teppichen unterwegs, weil sie eine Hauptrolle bekommen und sehr gut dargestellt haben. Kino im Allgemeinen ist ein nicht wegzudenkender Teil der Unterhaltung der heutigen modernen Gesellschaft. Die Filmgeschichte geht aber mindestens auf die Jahre um 1900 zurück; hier gab es die ersten Kurzfilme. Bereits um diese Jahrhundertwende herum gab es kurze, wenig aufwendig produzierte Dokumentarfilme, zum Beispiel über die Trachten einer Region und deren Bedeutung, etwa auf einem Volkstanz.
Stummfilme als kleiner Anfang großer Dinge
Stummfilme sind die ersten großen Klassiker der Filmgeschichte. Hier konnte über Dialoge noch nicht gearbeitet werden; diese Filme mussten alle durch Mimik und Körpersprache das Verständnis beim Zuschauer erreichen. In dieser Zeit wurde der Begriff Slapstick geprägt – nach der Narrenpritsche, mit der man lauten Krach machen konnte, die aber nicht wirklich schmerzhafte Folgen hatte. Es wurden Situationen und Menschen aufs Korn genommen, Klischees dargestellt – alles in der Form der Komödie. Die ersten großen Komiker der Filmgeschichte: Jeder kennt sie. Stan und Ollie, alias Laurel und Hardy – Dick und Doof: Das beste Beispiel. Sie waren wahre Künstler in der Slapstick Comedy und sind bis heute unvergessen. Ein Klassiker, bereits aus dem Jahr 1927, lautet im Originaltitel „Do Detectives think?“ Der Privatdetektiv als Comedy Figur konnte zur damaligen Zeit die Kinogänger erfreuen und unterhalten. Bereits kurze Zeit später begann die Ära des Tonfilms, der Durchbruch hin zu heute möglichen Sequenzen voller Dramatik, Romantik, Abenteuer und allen anderen möglichen Gefühlswelten.
Wirklich leise waren die sogenannten Stummfilme bis zur Entstehung des Tonfilms etwa um 1930 ja auch nicht. Allerdings war es eine Musik, waren es künstlich erzeugte Geräusche, die die Szenen auf der Leinwand begleiteten. Rutschten Schuhe in der Szene auf einer Bananenschale aus, gab es ein passendes, pfeifendes Geräusch dazu. Beim nicht zu vermeidenden tollpatschigen Sturz danach ertönte ein Paukenschlag, angekündigt durch einen Trommelwirbel. Mit diesen begrenzten Mitteln war es natürlich schwer, einen Inhalt wiederzugeben. Die Musik spielte im Kino – war nicht etwa Teil des Films. Ein extra Orchesterbereich, in dem um die 50 Musiker Platz nahmen, war in den Lichtspielhäusern der damaligen Zeit eingerichtet.
Dies änderte sich, als der Tonfilm die Filmgeschichte eroberte. Die ersten organisierten Filmgesellschaften begannen sich zu entwickeln; in Deutschland war dies die „ufa“ – die Universum Film AG. Die Regisseure von früher kennen heute nur noch wenige Spezialisten und Fans des expressionistischen Kinos; die Werke sind noch eher geläufig, zählen doch zum Beispiel „Nosferatu“ und „Dr. Mabuse“ zu diesen Werken. Etwa zur gleichen Zeit war in anderen Ländern die Filmproduktion nicht in Stocken geraten; man verstaatlichte zum Beispiel die russische Filmproduktion, gründete aber zugleich eine Filmhochschule. Hier entstand, ebenfalls um 1920, der „Panzerkreuzer Potemkin“. Kinos waren definitiv als Teil der Unterhaltung der Gesellschaft geboren. Natürlich fand man sie nicht sehr oft in ländlicher Gegend, sondern dort, wo viele Menschen lebten. Städte, vor allem Urlaubsregionen und Spas schmückten sich mit neuen Kinogebäuden.
Von Schwarz-Weiß zur Farbe
Zwei bedeutende Wechsel gab es noch vor dem zweiten Weltkrieg in der Filmgeschichte: Der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm, aber auch die Veränderung von Schwarz-Weiß zur Farbe. Als Beispiel für eines der ersten „bunten“ Werke ist der absolute Klassiker „Vom Winde verweht“ aus dem Jahr 1939 zu nennen. Zeitgleich begann Walt Disney in den USA mit dem Schaffen der weltberühmten Trickfilme. In Deutschland wurden Stars, wie Marlene Dietrich (Der blaue Engel) geboren. Plötzlich gab es einige Schauspieler, über die man sich auch im privaten Rahmen, zum Beispiel beim Feiern an den Grills im Garten, unterhielt. Die Zeitungen berichteten; ein Stückchen des Glamours, mit dem heutige Schauspieler in Verbindung gebracht werden, war geschaffen.
Der Zweite Weltkrieg: Die Filmgeschichte stagniert
Wesentliche Fortschritte konnten während der Kriegsjahre in keinem Land, in dem die Filmgeschichte bis dato so schnell an Wichtigkeit gewann, gemacht werden. Eine Stagnation trat nicht nur in Deutschland ein – es gab Wichtigeres. Für die schon teurer gewordenen Filmproduktionen fehlte nicht selten das Geld; viele Menschen verloren in den Wirren des Krieges alles, von den Anlageimmobilien bis zum Bargeld – und davon waren Regisseure und Schauspieler nicht ausgeschlossen. In Deutschland mussten die Inhalte an das Regime angepasst werden; ein Name dieser Zeit ist Leni Riefenstrahl. Antisemitische Filme, Dokumentarfilme mit propagandistischen Inhalten: Das war das Kinoprogramm der Kriegszeit. Erst nach dem Krieg erholte sich auch die Filmindustrie wieder vom Kriegsgeschehen, schlug neue Wege ein.
Die Nachkriegszeit: Die Kinderschuhe des heutigen Kinos
Nach dem Krieg begann ein wirtschaftlicher Aufschwung: Deutlich mehr Menschen konnten sich Autos leisten, die meisten Menschen hatten es gut, wenngleich es eine schwere Zeit zu bewältigen, manchen Todesfall und einige Gefangenschaften nahestehender Menschen zu verarbeiten gab. Die Filme aus den Nachkriegsjahren sind entweder voller Leichtigkeit – oder sie behandeln genau das Thema Krieg zum Zwecke der Aufarbeitung. Viele Musikfilme, Stars, die heute noch bekannt sind, bleiben aus dieser Zeit als unvergessener Teil des Lebens. Peter Alexander, Trude Herr, Heinz Erhardt und viele andere Namen – die Immenhof Filme, Herbie und so weiter.
Während sich im Laufe der Jahre Wasserbetten langsam in den privaten Haushalt schlichen, hatte das Fernsehen dies schon lange geschafft. Noch zur WM 1954 trafen sich halbe Siedlungen beim einzigen Nachbarn, der ein Fernsehgerät besaß – doch bald schon wurde die Mattscheibe eine harte Konkurrenz für das Kino. Hier gab es die Filme in bequemer Kleidung auf dem Sofa, ohne Eintrittskosten, ohne störende Vordermänner, hustende Hintermänner oder schnarchende Nebenan‘s. Das Kino als feste Einrichtung in einer Stadt bekam dies deutlich zu spüren und musste mit Umsatzeinbußen zurechtkommen. Immer aufwendiger produzierte Filme, bis hin zur heutigen 3-D Technik, sollten die Menschen auf die leeren Sitze locken. Manche Produktion schaffte es – doch andere floppten und enttäuschten die Zuschauer und Kritiker sehr, trotz Produktionskosten in Millionenhöhe.
Werbung im Kino und im Fernsehen
Heute ist es beinahe schon Gewohnheit, wenn die Werbung vor einem Kinofilm oder in der Unterbrechung im Fernsehprogramm eingeblendet wird. Es gibt tausende Spots, die heute Kultstatus haben und von daher auch ein wenig mit zur Filmgeschichte gehören. Erinnert man sich zurück an die 50er Jahre im 20. Jahrhundert, sind die Spots recht einfach gehalten, mit für heute relativ uncharmantem Witz. Damals machte die Werbung jedoch Furore, vor allem, da sie während des Krieges zumindest für Produkte verboten war. Zur NS-Zeit gehörten die Medien in Sachen Werbung rein der Propaganda des Regimes. Noch heute gibt es aus den Nachkriegsjahren bekannte Spots, die nicht nur ältere Generationen rezitieren. Als die Werbung den Weg in Kinos und das TV Programm fand, musste auch nicht darauf geachtet werden, welcher Spot zu welchem Film gezeigt wird. Heute suchen sich die Hersteller die Filme aus, zu denen ihre Produkte in den Spots gezeigt werden. Manchmal passiert aber auch ein Fauxpas und der Spot für eine Auslandskrankenversicherung wird vor einem Action-Thriller gezeigt – dementsprechend auch mit wenig Interesse verfolgt.
Die Werbung in Kino und TV wird heute zunehmend von Internetwerbung abgelöst. Alleine bei sozialen Netzwerken liegt ein gewaltiges Werbepotential, in das moderne Unternehmen entsprechend investieren und dafür auf die Werbung für den tollen Edelstahlschmuck in Fernsehen und Kino verzichten. Noch sind die Werbeblocks im TV lang genug und kann man auch ins Kino ruhig ein paar Minuten zu spät kommen, ohne dabei den Anfang vom Film zu verpassen; doch zeigte gerade die Wirtschaftskrise, dass am Internet als Werbeplattform festgehalten wurde, während vor allem die privaten TV Sender um ihr Budget zu kämpfen hatten.
Special Effects, 3-D & more: Die Erwartungen an die heutigen Kino-Klassiker
Nicht jeder Film ist zum Klassiker geboren. Manche Produktionen gegen eher durch Negativ-Schlagzeilen in die Filmgeschichte ein – man denke nur an „Wild, Wild West“, ausgezeichnet mit der Goldenen Himbeere als Gegenspieler zum Oscar. Dieser Preis wird für die schlechteste Jahresleistung verliehen, am Abend vor der großen Oscar-Verleihung. Manchmal gibt es neben den normalen Kategorien – zum Beispiel „schlechtester Film“, „schlechtester Schauspieler“ und so weiter – auch die Kategorie „schlechteste Spezialeffekte“. Wären zum Beispiel die ersten Star Trek Kinofilme und Serien ein Teil heutiger Filmproduktion, wäre diese goldene Himbeere so gut, wie sicher. Was ließen sich die Science Fiction Regisseure früher doch einfallen, um die Special Effects zu kreieren, die dem Zuschauer damals gezeigt wurden. Man fand es toll, wenn Scottie beamte, wenn die Traktorenstrahlen vom Raumschiff Enterprise eingesetzt wurden oder der Replikator ein Mahl bereitete – eine umgestaltete Dunstabzugshaube, eingebaut in eine schick aussehende, aber leider funktionslose künstliche Raumschiffwand.
Es gibt auch Filmklassiker, die absolut ohne Special Effects auskommen konnten und dennoch zum Blockbuster wurden. Für die Filmindustrie kommt es darauf an, den Nerv der Zuschauer zu treffen. Dabei ist das Genre des Films zweitrangig, ebenso, wie es keine wirkliche Rolle spielt, ob ein Film am Computer entstanden ist, oder echte Schauspieler realitätsnahe Szenen eingespielt haben. 3-D hatten zum Beispiel „Dirty Dancing“ oder andere Kultfilme nicht nötig – diese Technik gehört aber zu manchen Filmen der heutigen Zeit einfach dazu.